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Nachhaltige Waldbewirtschaftung


In Europa werden die meisten Wälder seit Jahrhunderten forstwirtschaftlich genutzt, und es haben sich schon frühzeitig nachhaltige Waldbewirtschaftungsformen etabliert – nachhaltig im Sinne von Hans Carl von Carlowitz, also nur bezogen auf die Holznutzung (nicht mehr Holz einschlagen als nachwächst), aber nicht im Sinne ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit.Die Spanne an unterschiedlich intensiven Nutzungen reicht von bewirtschafteten Wäldern bis zu Plantagen (siehe Tabelle).


Primärwald
Natürlicher Wald, der in seiner Ursprungsform frei von menschlicher Einflussnahme ist.
Sekundärwald
Wald, der sich nach Vernichtung der ursprünglichen Vegetation (Primärwald) oder intensiver menschlicher Nutzung (z.B. Rodung, anthropogene Feuer) wieder selbstständig regeneriert und damit überwiegend aus natürlicher Vegetation früher Sukzessionsstadien zusammengesetzt ist. Der Begriff wird nicht, wie häufig üblich, nur auf die Tropen angewandt: auch die nach Kahlschlag der Naturverjüngung überlassenen Wälder der kalt-gemäßigten und mitteltemperierten Gebiete gehören zu den Sekundärwäldern.
Bewirtschaftete Wälder
Wälder, die vom Menschen planmäßig und mehr oder weniger intensiv forstwirtschaftlich genutzt werden. Zu ihnen gehören auch Holzplantagen und naturnahe Wirtschaftswälder.
Wirtschaftswald
Bewirtschaftungsform von Wäldern, die gekennzeichnet ist durch
1. Monokulturen und/oder Mischwälder der Betriebsarten Hochwald (einschließlich Kahlschlag, Plenterwald, Femelschlag), Mittelwald und Niederwald,
2. lange Umtriebszeiten (>= 60 Jahre),
3. Regeneration des Bestandes durch Naturverjüngung und/oder Pflanzungen,
4. pflegende Eingriffe in den Bestand (z.B. Durchforstung, Bodenverbesserung), die dem Erhalt der Waldfunktionen dienen.
Plantage
Intensivste Bewirtschaftungsform. Sie ist gekennzeichnet durch
1. Monokulturen schnell wachsender Baumarten (z. B. Pappel, Pinus radiata, Eucalyptus),
2. kurze Umtriebszeiten (< 60 Jahre),
3. Regeneration des Bestandes durch Pflanzungen,
4. Einsatz von Bodendüngung und -bearbeitung, Schädlingsbekämpfung und andere Maßnahmen, die den Holzertrag erhöhen. Plantagen stellen einen Übergang zwischen forstlicher und landwirtschaftlicher Nutzung dar. Die meisten Aufforstungen sind diesem Bewirtschaftungstyp zuzurechnen.

Tabelle in Anlehnung an Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung globale Umweltfragen (WBGU) d .


Unberührte Urwälder (Karte der letzten intakten Urwälder d ), die so genannten Primärwälder, gibt es in Europa praktisch nicht mehr. Auch gibt es nur noch wenige Wälder, in denen kaum menschliche Eingriffe stattfinden.

Die tropischen Regenwälder bestehen hingegen zum größten Teil aus Primärwäldern. Menschliche Eingriffe bedeuten hier jedoch meist nicht, dass der Urwald in eine nachhaltige forstliche Nutzung überführt wird. Vielmehr wird er meist komplett gerodet und in andere Landnutzungsformen wie etwa Ölpalmen- oder Sojaplantagen, Akazien- oder Eukalyptusplantagen für die Papierproduktion bzw. Rinderweiden umgewandelt. Werden in mitteleuropäischen Wäldern einzelne Flächen gerodet, kann über Wiederaufforstung oder Naturverjüngung in einem Zeitraum von 50 bis 100 Jahren wieder ein Wald nachwachsen, den wir als naturnah einstufen. In den Tropen wirkt sich das Fällen der Bäume auf die sensiblen Böden der Waldökosysteme stärker aus, die nachfolgende Erosion ist weitaus gravierender, die Flächen werden vollständig gewandelt. Daher ist eine nachhaltige fortwirtschaftliche Nutzung der Regenwälder technisch deutlich schwieriger, aber immerhin mit dem heutigen Wissensstand zumindest möglich.

Hinzu kommen die soziokulturellen Faktoren. Ein wichtiger Faktor ist, dass die Eigentümerstruktur bzw. Landnutzungsrechte in tropischen Regenwäldern historisch betrachtet keine große Rolle spielten. Die Ressource Wald wurde als unendlich angesehen, so dass die dort lebende Bevölkerung nicht die Notwendigkeit der formellen Einräumung von Landnutzungsrechten sah oder vielmehr diese gar nicht kannte. Zwar ist das Interesse an der Einräumung von Landnutzungsrechten gestiegen, doch ist auch ihre Durchsetzung bis heute ein großes Problem. Es kommt auch immer wieder zu Konflikten zwischen ursprünglich ansässigen Bewohnern und neuen Landbesitzern bzw. Konzessionsinhabern. Ganz anders in Mitteleuropa: Insbesondere in Deutschland wird dem Wald ein großer emotionaler Wert zugeordnet. Zugleich wurden in Mitteleuropa längst alle heimischen Urwälder entweder gänzlich zerstört oder in eine forstliche Nutzung überführt.

Vor dem Hintergrund der unterschiedlichen ökologischen, ökonomischen und sozialen Ausgangssituationen unterscheiden sich die Anforderungen an nachhaltige Waldbewirtschaftung in Industriestaaten substantiell von der nachhaltigen Nutzung tropischer Regenwälder.

Nachhaltige Waldnutzung in Industriestaaten

Für Europa hat die Ministerkonferenz zum Schutz der Wälder (Ministerial Conference on the Protection of Forests in Europe; MCPFE) d ein Konzept zur nachhaltigen Waldbewirtschaftung entwickelt. Nachhaltige Waldbewirtschaftung bedeutet dabei: Die Betreuung und Nutzung der Wälder ist auf eine Weise und in einem Maße zu fördern, dass sie ihre biologische Vielfalt, Produktivität, Erneuerungsfähigkeit und Vitalität sowie ihre Fähigkeit behalten, jetzt und in Zukunft die relevanten ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Funktionen zu erfüllen, ohne andere Ökosysteme zu beeinträchtigen.

Nachhaltige Nutzung tropischer Regenwälder

Die nachhaltige forstwirtschaftliche Nutzung tropischer Regenwälder gestaltet sich hingegen schwierig. So ist z.B. strittig, ob es eine solche überhaupt geben kann, findet doch bei der Ernte immer eine anthropogene Erstnutzung, ein Umwandeln des betreffenden Teilstücks Urwald zumindest in Sekundärwald statt. Mit der Umwandlung des Primärwaldes ist dann regelmäßig nicht nur ein großer Verlust an biologischer Vielfalt, sondern auch die Freisetzung oft sehr großer Mengen von in Biomasse und Boden gespeicherten Kohlenstoffs verbunden (siehe unsere Seite Regenwälder und CO2).

„Im tropischen Regenwald ist die nachhaltige Nutzung wesentlich schwieriger durchzuführen. Die Böden bestehen nicht aus dicken Humusschichten wie in unseren Breiten. Das Gegenteil ist vielmehr der Fall: Eine dünne, nur vom Regenwald selbst genährte Nährstoffschicht lagert auf den meist unfruchtbaren, sandigen Böden. Die Nährstoffe zirkulieren ständig in einem kurzen Kreislauf zwischen Pflanzen und Boden. Werden große Bäume entnommen, ist das in etwa so, als trügen in unseren Breiten die Holzfäller gemeinsam mit den Bäumen auch den Boden ab.“ Mehr dazu bei Greenpeace ... d und bei der TU Berlin d .

Damit gehen wesentliche Funktionen dieser Wälder dauerhaft verloren. Mancherorts versucht man, diese Auswirkungen durch selektiven Holzeinschlag, also die schonende Einzelernte besonders wertvoller Hölzer, möglichst gering zu halten und das Ökosystem nicht aus der Balance zu bringen. Auch solche Ernteverfahren gehen jedoch mit einer infrastrukturellen Erschließung der Gebiete einher. Diese führt oftmals dazu, dass Siedler nachfolgen und teils illegal Waldstücke zur landwirtschaftlichen Nutzung umwandeln. Aufgrund der oftmals folgenden Erosion werden diese Flächen jedoch nach einiger Zeit aufgegeben und im nächsten Schritt weitere Teile des Urwaldes zerstört. Hier gibt es teilweise große regionale Unterschiede, z.B. zwischen dem Amazonasgebiet und Indonesien. Dennoch gibt es auch Beispiele nachhaltiger Nutzung von Regenwaldökosystemen Beispiele nachhaltiger Nutzung tropischer Regenwälder.

Nach „Tropenholz-Boykotten“ und einer Vielzahl negativer Pressemitteilungen zum Thema Wald- und Holzbewirtschaftung kam bei vielen nachhaltig wirtschaftenden Waldbesitzern und anderen Akteuren in der Produktionskette das Interesse auf, den Kunden gegenüber die Nachhaltigkeit ihrer Waldbewirtschaftung nachzuweisen. Zu diesem Zweck wurden von Umweltorganisationen, Waldeigentümern, der Forstindustrie und anderen verschiedene Zertifizierungssysteme errichtet. Die bekanntesten sind das Label des FSC - Forest Stewardship Council und das PEFC - Programme for the Endorsement of Forest Certification. In einigen Ländern gibt es einen intensiven Diskurs darüber, ob diese beiden Systeme gleichwertig sind oder ob eines der beiden für mehr Nachhaltigkeit steht. Lesen Sie mehr zur nachhaltigen Waldnutzung auf unseren Seitensowie

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[ Zuletzt geändert: 31.01.2009 19:45:34 ]